Das Geisterhaus by Isabel Allende

German 2

By Isabel Allende

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Spielsucht: Ursachen, Therapie und Prävention von glücksspielbezogenem Suchtverhalten, 3. Auflage

Die „typische“ Klientel der Spiels? chtigen hat sich in den letzten Jahren gewandelt: Bei Frauen ist eine wachsende Erkrankungsrate zu verzeichnen, bei bestimmten Migranten-Gruppen besteht ein erh? htes Risiko. In diesem einzigen deutschsprachigen Therapiefachbuch zum Thema informieren die Autoren umfassend ?

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Dieses Schweigen erfüllte sie ganz, und so sprach sie nicht wieder, bis sie, neun Jahre später, ihre Stimme erhob und verkündete, sie werde heiraten. -54- Zweites Kapitel Die Drei Marien Im Eßzimmer seines Hauses, zwischen altmodischen, abgenutzten Möbeln, die in ferner Vergangenheit einmal gute viktorianische Stücke gewesen waren, aß Esteban Trueba mit seiner Schwester Férula die gleiche fette Suppe wie alle Tage und den gleichen faden Fisch wie jeden Freitag. Bedient wurden sie von einer alten Hausangestellten, die sie in der damals noch herrschenden Tradition entlohnter Haussklaven ihr Leben lang bedient hatte.

In Unkenntnis seiner Rasse schrieb die Phantasie der Leute Barrabas die Eigenschaften eines Fabelwesens zu. Es hieß, er sei gewachsen und gewachsen und wäre so groß wie ein Kamel geworden, hätte nicht ein brutaler Metzger seinem Leben ein Ende bereitet. Die Leute hielten ihn für das Produkt einer Kreuzung von Hund und Stute, sie mutmaßten, daß er Flügel, Hörner und einen schwefligen Atem bekommen würde wie die Tiere, die Rosa in ihre endlose Tischdecke stickte. Die Nana, die es satt hatte, zerbrochenes Porzellan aufzukehren und sich das Geschwätz der Leute anzuhören, die behaupteten, daß er sich in Mondnächten in einen Wolf verwandle, wandte bei Barrabas die -30- gleiche Methode an wie bei dem Papagei, aber statt ihn umzubringen, bewirkte die Überdosis Lebertran bei ihm nur einen vier Tage dauernden Dünnpfiff, der das Haus von oben bis unten verschmutzte, und sie selber mußte ihn wegputzen.

Ich folgte ihr auf dem ganzen Heimweg. Ich stieg in dieselbe Trambahn und setzte mich hinter sie und konnte den Blick nicht von ihrem vollkommenen Nacken wenden, dem runden Hals, den sanften Schultern, über die einige aus der Frisur gelöste Löckchen zu streicheln schienen. Ich spürte nicht das Rattern der Trambahn, ich war wie im Traum. Plötzlich glitt sie auf den Gang, und im Vorbeigehen richtete sie für einen winzigen Augenblick ihre überraschend goldfarbenen Pupillen auf mich. Ich muß ein wenig gestorben sein.

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